Oder vielleicht doch nicht?
Beikost gehört für viele Eltern zu den herausforderndsten Themen im ersten Lebensjahr ihres Babys.
Dabei tauchen nicht nur die klassischen Fragen auf: Was darf mein Kind essen? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und wie viel braucht es überhaupt? Häufig beschäftigen Eltern auch Themen wie die sichere Einführung von Lebensmitteln, Allergieprävention, geeignete Darreichungsformen oder die Frage, wie Milchmahlzeiten sinnvoll reduziert werden können.
Doch auch wenn der Beikoststart zunächst gut verläuft, kann es später zu Phasen kommen, in denen das Interesse am Essen plötzlich nachlässt. Manche Kinder lehnen auf einmal bestimmte Lebensmittel ab oder essen deutlich weniger als zuvor. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein: Farbe, Konsistenz, Verdauungsbeschwerden, Entwicklungsschübe oder andere äußere Einflüsse können das Essverhalten beeinflussen.
Aus einem begeisterten Esser wird dann manchmal plötzlich ein sogenannter „Picky Eater“. Das ist jedoch kein Grund zur Verzweiflung. Genau hier kann eine individuelle Beikostberatung helfen. Gemeinsam schauen wir uns die Situation an, gehen möglichen Ursachen auf den Grund und finden alltagstaugliche Lösungen, damit Essen wieder entspannter werden darf.
Der Familientisch als praktische Lösung
Ein altersgerecht angepasster Familientisch bietet viele Vorteile. Eltern müssen nicht zusätzlich separat kochen und Kinder können von Anfang an aktiv an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen.
Auch die Allergieprävention lässt sich mit wenigen einfachen Maßnahmen gut in den Familienalltag integrieren. Gleichzeitig dürfen Kinder verschiedene Geschmäcker, Konsistenzen und Lebensmittel von Beginn an kennenlernen und entdecken.
Übrigens: Die Zeiten von „null Salz um jeden Preis“ sind vorbei. Die aktuellen Empfehlungen sind deutlich entspannter. Kleine Mengen Salz im Rahmen einer ausgewogenen Familienkost sind, abhängig vom Alter des Kindes, durchaus vertretbar.
Familientisch, Brei oder BLW?
Ein häufiger Irrtum ist, dass Familientisch automatisch bedeutet, auf Brei verzichten zu müssen. Das stimmt nicht.
Ebenso bedeutet Baby-led Weaning (BLW) nicht automatisch, dass ausschließlich Fingerfood angeboten werden darf. Vielmehr gibt es zahlreiche Möglichkeiten, verschiedene Beikostwege individuell miteinander zu kombinieren und an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen.
Letztlich gibt es nicht den einen richtigen Weg. Entscheidend ist, dass die Beikost zum Kind, zur Familie und zum Alltag passt.
Die Grundlagen einer sicheren Beikostumgebung
Für einen sicheren und entspannten Beikoststart spielen folgende Punkte eine wichtige Rolle:
- eine ruhige und entspannte Atmosphäre
- eine aufrechte Sitzposition mit stabilem Fußkontakt
- kein Füttern in Wippen, Babyschalen oder anderen halb liegenden Positionen
- das Kind während des Essens niemals unbeaufsichtigt lassen
- auf altersgerechte Größe und Konsistenz der Lebensmittel achten
- bekannte Verschluckungsrisiken wie ganze Weintrauben, Nüsse, Popcorn oder rohe harte Kost wie Apfel/Karotte vermeiden, beziehungsweise sicher zubereiten
- keine Ablenkung durch Fernseher, Tablet oder Smartphone während der Mahlzeiten
- das Kind selbst bestimmen lassen, wie viel es essen möchte
- kein Druck, Zwang oder überreden
- Eltern haben idealerweise einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind
Besonders wichtig ist mir dabei ein Gedanke: Eine sichere Beikostumgebung bedeutet nicht nur, das Risiko des Verschluckens zu minimieren. Sie bedeutet auch, eine positive Beziehung zum Essen aufzubauen.
Kinder lernen am besten in einer entspannten Atmosphäre und dürfen darauf vertrauen, dass sie selbst spüren, wann sie hungrig oder satt sind.
Denn Beikost soll nicht nur nährstoffreich und altersgerecht sein, sondern vor allem Freude machen und in einer sicheren Umgebung stattfinden.
Jedes Kind isst anders und jeder Beikostweg darf individuell aussehen. Manchmal braucht es nur kleine Anpassungen, um wieder mehr Freude und Entspannung an den Familientisch zu bringen.
Genau dabei begleite ich euch gerne.